Montag, 20. Oktober 2008

Belfast und Schluss

Soo, da habe ich mich nun doch noch mal aufgerafft, meinen vorerst letzten Post zu schreiben. Denn, wie die meisten inzwischen über die ein oder anderen Wege erfahren haben, bin ich nämlich schon wieder in Deutschland. Hab mich bis jetzt ein bisschen gedrückt, den Eintrag zu schreiben, weil ich weiß, wie lang er wird...

Also chronologisch geht's weiter:
Am Donnerstag den 2. Oktober hab ich wie gesagt frei bekommen. So sind Claudius und ich in die Stadt und haben uns das alte Gefängnis "Kilmainan Gaol" in Dublin angeguckt. Wir sind da eine und ne dreiviertelstunde hingelaufen. Liegt daran, dass wir den Weg leicht unterschätzt haben. Diese blöden Touristenkarten sind einfach nicht maßstabsgetreu... Sehr interessant war es aber. Für 2,10€ bekommt man da eine etwa einstündige Führung. Jedenfalls als Student. Schon unangenehm wie die politischen Gefangenen und auch die ordinären Verbrecher dort gehalten wurden. Der jüngste Insasse war übrigens fünf Jahre alt. Männer, Frauen und Kinder wurden alle gleich behandelt.











Ein Gang im alten Flügel:Und der neue Flügel, der an heutige Shopping Center erinnert:

Claudius ist dann dannach in sein Hostel und ich bin zur Schule gefahren, was übrigens meine vorerst letzte Stunde sein sollte, was ich aber noch nicht wusste. Zu Hause musste ich dann noch meine Sachen für Belfast packen und nach ein paar wenigen Stunden Schlaf bin ich um zwanzig vor fünf aufgestanden, um dann um viertel nach fünf das Haus zu verlassen, um mit dem Bus nach Belfast zu fahren.
Doch: Mit dem Öffnen der Tür löse ich den Alarm aus, der sonst eher nie eingeschaltet wurde bei uns und dann kommt mein Gastvater runter und fragt, ob ich noch zwei Minuten Zeit hätte, bevor ich gehe. Muss ich ja haben und dann erzählt er mir, dass das wohl nicht mehr passt mit uns. Ich war natürlich schon leicht geschockt. Auf die Frage warum, kam dann raus, dass es wohl daran gelegen habe, dass Claudius und ich in einem Bett geschlafen haben. Ich wusste gar nicht, dass mir das verboten war. Hatte sie da wohl missverstanden. Ein paar andere meiner Meinung nach nicht zutreffende Gründe wurden auch noch angegeben. Na ja ich finds auf jeden Fall recht eigenartig, mir sowas ohne vorheriges Gespräch um viertel nach fünf Uhr morgens buchstäblich zwischen Tür und Angel mitzuteilen. Mir wurde dann nahe gelegt, mit Claudius am Dienstag nach Hause zu fliegen. Ich bin dann leicht verwirrt zum Flughafen gefahren, wo ich Claudius getroffen habe, um von dort aus weiter nach Belfast zu fahren. Der hat mir dann erstmal nicht geglaubt.

In Belfast angekommen sind wir dann erstmal in unsere Unterkunft gefahren, wo ich dann aber nicht gleich so motiviert war, wieder los auf Stadtbesichtigung zu gehen und ganz nebenbei ja auch noch Mami informieren musste, damit sie mir nen Flug bucht.

Später am Nachmittag sind wir dann aber doch noch los gegangen. Hier einige Eindrücke aus dem Innenstadtbereich:
Die City Hall mit einem großen Riesenrad:

Eines der vielen schönen Gebäude:
Am Fluss:
Hier wurde die Titanic gebaut!!! WOW! Sehr spektakulär war es da zwar nicht, wie man auch auf dem unteren Bild sieht, aber wir waren da! War auch ein anz schöner Fußmarsch.
Sind dann mit dem Bus zurück gefahren und nach einem kleinen Einkauf haben wir es uns im Zimmer gemütlich gemacht. Sehr amüsiert haben wir uns über die Info zum "Ver halten bei Feuer". Warum fragen die nicht einfach mal jemanden, das für die zu übersetzen?

Für den nächsten Tag, also Samstag hatten wir eine Tagestour gebucht. So sind wir dann recht früh morgens los um zu dem Treffpunkt zu gelangen. Von dort aus ging es dann an der Küste entlang Richtung Norden. Erster Stop war die Carrick-a-Rede Rope Bridge. Das ist eine heute immer noch begehbare Seilbrücke an der Küste zu einer kleinen Insel. Von dieser Insel aus konnte man besonders gut Fische fangen, weil sie sich da stauten. Diese Brücke wird für Touristen immer noch in Stand gehalten und es kostet demnach unerhörte dreieinhalb Pfund, da rüber gehen zu dürfen. Haben wir nicht gemacht. Die Natur war aber unglaublich schön, was man vom Wetter ganz und gar nicht behaupten konnte...




Das ist die Brücke:

So dick eingepackt bin ich rumgelaufen und trotzdem war mir kalt. Es hat echt den ganzen Tag geregnet...
Glänzt auch ganz gut auf meiner Jacke. Dank der von Manuela geschenkten Schuhe hatte ich aber immerhin trockene Füße. Dieses Glück hatte Claudius allerdings nicht...



Dann ging die Fahrt weiter zum Haupziel nämlich zum Giants Causeway. Es handelt sich dabei um eine merwürdige Gesteinsformation an der Küste Irlands und auch in Schottland gibt es sie. So kam es auch zu der Entstehungsgeschichte: Ein Riese hat einen Weg von Irland nach Schottland gebaut um sich dort ne Frau zu schnappen. Oder so ähnlich.
Eigentlich sind diese sechs- bis achteckigen Steinsäulen durch aufsteigendes Magma, das auf eine Eisdecke gestoßen ist, entstanden. Durch diese schnelle Abkühlung haben sich ähnlich wie bei getrocknetem Schlamm Risse gebildet und diese Form kam dabei raus.
Das ist zwar nicht so spitze erklärt, aber toll war es allemal, auf ihnen herumzuklettern. Hier die vielen Fotos:





Dick eingepackt:Ein bisschen posen...


Jetzt geht's erst richtig los:



Ganz schön glitschig bei diesem Regen:
Suchbild:



Nach jeder Menge Rumgekraxel auf den Steinen ging es dann klitschenass auch wieder in unseren Bus mit nem warmen Kaffee und einem Brot im Bauch. Kurzer Zwischenstop auf dem Weg zum zweiten Hauptziel nach Derry war dann dieses alte Schloss. Es wurde leider an ner Klippe gebaut und so ist es teilweise abgestürzt. Unter anderem auch die Küche mit drei Köchen.Der nächste Programmpunkt sollte dann Derry sein. Derry ist eine weitere Stadt in Nordirland, welches ja zum United Kingdom gehört, weshalb wir ja dort auch mit Pfund bezahlt haben. Auch in dieser Stadt herrschen die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken. Es geht dabei weniger um die Religion als um den Stand. Wenn du Protestant warst oder bist, gehts dir in der Regel besser. Du bist ja aus England gekommen und hast mehr Geld. Mit einem Katholiken was anzufangen, geht damit einher, von der Familie verstoßen zu werden. Allgemein wurden Katholiken unterdrückt. Auch heute gibt es die Unterschiede, wenn auch nicht mehr so arg.

In Derry haben wir dann die angebotene historische Stadtführung mitgemacht. Die auch wieder sehr interessant war. Am Anfang liefen wir auf der Mauer entlang, die Katholiken und Protestanten trennte. Weiter gings dann bis zu einem Stadtteil in dem Katholiken leben. Diesen Teil nennen sie Freies Derry.
Dort gab es dann auch viele katholische Wandbemalungen sogenannte "Murals" zu sehen:





Dannach ging es zurück nach Belfast. Eigentlich wollten wir uns an dem Abend noch mit Pia und Astrid, die Zeitgleich nach Belfast gekommen sind, treffen. Aber aufgrund allgemeiner Erschöpfung, des stetigen Regens, des nachts nicht fahrenden Busses und meinem immer noch schlechtem Gefühl im Bauch wegen des Rausschmisses sind Claudius und ich wieder im Zimmer geblieben. Am nächsten Morgen haben wir dann ausgecheckt und mussten ein ganzes Stück in die Stadt laufen, weil auch am Sonntag der Bus nicht fuhr. Dann haben wir überlegt, eine City Tour zu machen. Es gab Angebote von "Black Taxis", die mit ein paar Leuten ne Tour machen, und Busse. Doch die waren uns zu teuer und so haben wir zwei Schlaue einfach den Plan der einen Tour genommen, um sie teilweise abzulatschen. Für ganz umsonst. Und wir konnten uns die Sachen auch ernsthaft ansehen und nicht nur aus dem fahrenden Bus. Dabei waren uns besonders die Murals wichtig. Mit Sack und Pack ging es dann los. Erstmal durch den "Cathedral Quarter":
Mit dem Clock Tower:
Vor dem wir mal ein Touribild gemacht haben:



Dann dauerte es erstmal ne Weile bis wir zu den sehenswerten Murals kamen, vorbei kamen wir eher an runtergekommenen Gebäuden:
Endlich da. Es war übrigens auch ganz im Gegensatz zum Vortag sehr schönes Wetter. Diese Murals sind jetzt protestantisch und an der britischen Krone orientiert:









Claudius und ich haben entschieden, dass wir die katholischen Murals in Derry um einiges cooler fanden. Egal. Wir sind dann wieder in die City, weil wir uns nachmittags auch mit Pia und Astrid zum Zurückfahren treffen wollten. Auf dem Weg sind wir noch einer Demo begegnet. Anscheinend boomt Belfast zwar, aber die Stadt tut nur was für den Tourismus und es herrscht Wohnungsmangel. Die Demonstranten haben jedenfalls mehr Wohnungen und weniger Hostels gefordert:


Wir sind dann mit dem Bus zurück. Unterwegs habe ich schon versucht mir nen neuen Zuknftsplan auszudenken und natürlich auch wie ich meinen ganzen Kram mit der Schule und meinem Gepäck regele. Schließlich hatte Mama mir gerade noch ein Paket geschickt und Claudius hatte mir auch noch was mitgebracht...
Naja zu Hause folgte noch ein kurzes Gespräch mit meinen Gasteltern. Meine Initiative. Eher fruchtlos. Ich hasse sie aber nicht. Ich hatte schöne drei Monate dort.
Am Montag ging es dann erstmal los mit dem Packen. Tatsächlich habe ich alle wichtigen Sachen in meinem und Claudius Gepäck unterbringen können. Bloß fünf Kilo musste ich am Abend noch zu Pia bringen. Da hab ich mit ihr auch noch Keinohrhasen zum Abschied geguckt und auch nochmal schön genascht vor meiner Diät in Deutschland. Außerdem musste ich am Nachmittag noch zur Schule und da meine Sachen regeln. Die war sehr nett und alles lief glatt. Ich musste sogar ein bisschen mich freuen, als ich gemerkt habe, wie gut ich mich mit ihr unterhalten kann. Kein Vergleich zu vor drei Monaten. Hihi. Claudius ist auch mitgekommen und so haben wir unter anderem noch ein bisschen am Wasser rumgehangen. Einige Eindrücke davon hier:



Das hat man davon:
Ja dann bin ich halt die letzte Nacht spät von Pia nach Hause gekommen und hab mich um viertel nach vier mit meinen 25 Kilo Gepäck aufgemacht zur Bushaltestelle zum Flughafen. Ich hab geschwitzt wie sonstwer, denn ich hatte jede Menge Klamotten an, um möglichst viel mit nach Hause nehmen zu können. Die restlichen fünf Kilo hol ich mir demnächst bei Pia ab...

So war ich dann am Mittag schon in Harburg am Bahnhof, wo mich Mutti abgeholt hat.
Hier lebt man sich ganz schnell wieder ein. Ab dem 10. November mach ich ein Praktikum in der Grundschule und im Moment sieht es so aus, als würde ich nach Sylvester wieder nach Dublin als Au Pair gehen. Würde wirklich gerne meine Sprache weiter verbessern. Dann geht's auch mit dem Blog weiter!
Bis dahin vielleicht,
vielen Dank fürs Lesen soweit,
Janike

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